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Jahresrückblick 2019 - Was für ein Wahnsinnsjahr!🚀

19 Dec 2019 » Aktuelles

Es fing im Januar mit dem Aufbau der Website durch meine kleine IT-Abteilung an, die sich wunderbare Mühe gemacht hat, ein junges, dynamisches Design zu entwickeln und eine erste Plattform für die Kontaktaufnahme mit meiner Kanzlei zu bieten. Ein großer Dank gilt schon an dieser Stelle der besten IT-Abteilung für den Aufbau der Website! Dann ging es auch los und der Februar hatte neue Überraschungen zu bieten. Seit dem Vortrag über Open Legal Data auf dem Chaos Computer Club Kongress habe ich für mich das Vortragen entdeckt. Ich machte mich also an die Arbeit mit verschiedenen Messen und Konferenzen Kontakt aufzunehmen und erhielt eine Keynotespeaker Session bei der Designkonferenz 2019 in Brandenburg. Außerdem besuchte ich fast jeden Tag verschiedene Meet-Ups und lernte sehr spannende Leute kennen. Ein großer Dank geht hier an Marie für ihre volle Unterstützung und ihren ganzen Einsatz!!!

Im März konnte ich dann mit dem Team von Open Legal Data, ein ehrenamtlich interdisziplinär geführtes Projekt für freien Zugang zu juristischen Informationen, unsere Ergebnisse präsentieren, die wir während der Förderung durch den Prototype-Fund erzielt haben. Es war ein klasse Event mit vielen inspirierenden, motivierten Menschen, die alle an wunderbaren Ideen arbeiten. Außerdem haben wir in diesem Projekt verschiedene Anfragen an Gerichte gestellt, um an die Urteile für unsere Urteilsdatenbank zu kommen. Mit welchem Ergebnis und wie es mit Open Legal Data weitergeht erfahrt ihr [hier].

Mit den Vorträgen und Workshops ging es dann Ende April und Mai richtig los. Angefangen hat es mit einem Workshop in dem Wonder Women Coworking Space in Berlin mit meiner „GründerInnen-Reihe: Rechtssicher gründen“. Ich habe meinen ersten Workshop zu dem Thema Gründung gehalten und war begeistert, wie viele Power-Frauen den Weg in die Selbstständigkeit gehen wollen. Es war auch die Stunde in der die GründerInnen-Reihe bis Ende des Jahres weiter gehen sollte. Weiter ging es dann mit dem Anwaltstag 2019 mit dem Motto: „Rechtsstaat leben“ in Leipzig. Ich war neugierig, welche Workshops, Vorträge es gibt und welche interessanten Kolleg*innen ich kennen lernen darf. Mein persönliches Highlight war der Journalist Thilo Jung – bekannt von „jung & naiv“ – der auf einem Podium die Diskussionsrunde leitete und einen wirklichen Mehrwert für den Anwaltstag gebracht hat.

Weiter ging es dann in Berlin mit dem AI-Monday. AI-Monday ist ein monatliches Event, was jetzt nicht nur in Berlin stattfindet, sondern auch in Leipzig und Stuttgart. Die tollen Organisatoren des AI-Monday Berlin im April - Juri und Jan – ermöglichen es bei jedem AI-Monday tolle Speaker zu hören, die Einblicke in ihre aktuellen Arbeiten und Projekte liefern. Der AI-Monday bietet eine super Austauschplattform zur Weiterentwicklung und Vernetzung. An meinem Vortragstag erinnere ich mich noch sehr gut, weil es unglaublich tropisch war – Hitze und Regen. Das machte den Besucher*innen des AI-Mondays aber nichts aus und der Raum war voll. Ich durfte über „Open Data for AI“ referieren und war sehr glücklich über die anschließenden Fragen – Welche Argumenten sprechen dagegen Urteile als Open Data zu veröffentlichen; oder Warum werden nicht alle Urteile veröffentlicht? – Solche Gelegenheiten bieten eine einmalige Chance sich zu vernetzen und die AI-Communtity in Berlin mitzugestalten. Gerade für den Bereich des Legal Tech. Ende Mai durfte ich dann im Motionlab Berlin gemeinsam mit 3dK einen Vortrag über „Die häufigsten Rechtsfragen zum 3D-Druck mit den Themen Marken- und Urheberrechtsverletzung beim 3D-Druck“ halten. Auch hier war ich begeistert über die Fragen und Anregungen und den interdisziplinären Austausch im Bereich 3D-Druck!

Als wenn das im Mai noch nicht genug gewesen wäre, hatte ich noch ein ZDF-Interview zum Thema Identitätsdiebstahl. Wir trafen uns und ich konnte über meine Erfahrungen mit dem Identitätsdiebstahl berichten und Tipps für Opfer eines Identitätsdiebstahls geben. Das Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen, sodass ich für meine Tätigkeit als Anwältin gerade auch Opfer von Identitätsdiebstahl betreuen möchte.

Im Juni war es dann soweit mit der Designkonferenz Brandenburg 2019 zum Thema
Künstliche Intelligenz. Ich habe mich geehrte geführt eine Keynote neben bekannten Experten wie Hans-Christian Boos halten zu dürfen und das Thema der künstlichen Intelligenz aus der urheberrechtlichen Perspektive darzustellen. Ich bin der Meinung wir brauchen geeignete Rahmenrechte, die flexible genug sind, um auf die neuen Technologien anwendbar zu sein. Die derzeitigen gesetzlichen Regelungen führen zu erheblicher Rechtsunsicherheit der Nutzerinnen und Unternehmen. Besonders gefreut habe ich mich über die Einladung der Jungen Juristinnen über den Veranstaltungsabend „Digitaler Wandel im Recht“ in Kooperation mit dem Landesverband Berlin. Vielen Dank an dieser Stelle an Charlotte! Der Abend war prall gefüllt mit Juristinnen und BWLerinnen. Ich war begeistert über das große Interesse. Auf der Podiumsdiskussion waren wir zu Dritt und haben aus unterschiedlicher Perspektive – Wissenschaft, Wirtschaft und Anwaltschaft – über den Einfluss des digitalen Wandels berichtet. Besonders gefreut habe ich mich, dass ich die Gelegenheit hatte meine Erfahrungen der Selbständigkeit als Rechtsanwältin zu teilen. Mein Ziel war es den Moment zu nutzen, mehr Frauen zur Selbstständigkeit, zur Umsetzung ihrer Ideen und Visionen zu motivieren und von technischen Entwicklungen zu begeistern. Das führte zu einer angeregten Diskussion, die ich noch gut in Erinnerung hatte und von der ich viel mitnehmen konnte. Themen der Diskussion waren Fähigkeiten im IT-Bereich für Juristinnen, also Basiswissen von Programmierung; oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie; Gründe warum es weniger selbstständige Frauen gibt; die Forderung nach mehr Unterstützung für selbstständige Frauen und die Chance die neue Technologien für Frauen bieten, um mehr Unabhängigkeit zu erhalten und Ungleichbehandlung zu überwinden. Es war ein außerordentlich schöner Abend, der noch sehr präsent ist. Ende Juni konnte ich dann bei der 3D-Printing Conference - RapidTech.FabCon3D in Erfurt teilnehmen für den Bereich „Women in AM“ mit dem Thema „Gedruckte Rechtsverletzung? Rechtliche Herausforderungen des 3D-Drucks“. Besonders beeindruckt war ich von der rasanten Entwicklung im 3D-Druck Bereich, insbesondere über die neuen Materialien, die für das Drucken verwendet werden können. Außerdem konnte ich das in Tel Aviv 3D gedruckte Herz sehen. Man war etwas demütig zu sehen, was bereits alles möglich ist und vor allem was für Diskussionen wir uns auch rechtlich Stellen müssen.

Im Juli konnte ich dann ganz offiziell die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit präsentieren. Das Forschungsthema meiner Dissertation war „Copy and Paste: Die private Vervielfältigung von Werken der angewandten Kunst durch 3D-Drucker“. Ich war wirklich sehr aufgeregt und auch hier war es ein unglaublich heißer Tag, was aber meine Freunde und Familie nicht davon abschreckte an meiner Disputation teilzunehmen. Das war Wahnsinn und daher gilt an dieser Stelle ein großer Dank meiner Familie und Freunden, die mich in jeder Hinsicht unterstützen. Ohne meine Familie und Freunde wäre vieles nicht möglich! Danke, danke, danke!

Der August brachte mir meinen ersten Praktikanten, der einfach ein Geschenk war! Ich war mir erst nicht sicher, ob ich es für einen Praktikanten im Jurastudium im höheren Semester überhaupt etwas Interessantes zu tun habe. Aber es war im Nachhinein eine wirkliche Unterstützung und Bereicherung, beispielsweise bei der Vorbereitung einer weiteren GründerInnen-Reihe zum Thema Impressum und Datenschutz und der Vorbereitung des Workshops für das Z2X-Festival zum Bereich Strategien gegen Hasskommentare, den ich gemeinsam mit der wundervollen Rojda Tosun halten konnte. Überraschenderweise standen Rojda und ich dann sogar im Finale unter den Top 10 Ideen des Z2X-Festivals. Unsere Idee ist die Entwicklung einer App für Opfer von Hasskommentaren. Wir waren super glücklich, dass unsere Idee so aufgenommen wurde. Außerdem konnte ich Ihn mitnehmen zu einem Forschungsinterview zum Thema Digitalisierung im juristischen Bereich und ich denke, ich konnte einen guten Einblick in das Leben einer Anwältin bieten. Im August war dann noch der Sommerempfang des Deutschen Juristinnenbundes e.V. im Roten Rathaus bei dem ich Power-Frauen treffen konnte, die mir ein Vorbild sind! Bei dem Deutschen Juristinnenbund e.V. kann man sich immer wieder Mut von Frauen holen, die bereits das erreicht haben, mit dem man anfängt! Ein wirklich wunderbarer Verein, der Mut macht und motiviert – außerhalb des typischen juristischen Lebens und der trotzdem juristisch mitgestaltet.

Im September ging es dann gleich mit meiner zweiten wunderbaren Praktikantin weiter, mit der ich wirklich viel Spaß hatte. Wir haben an einem Fachbeitrag zum Thema Identitätsdiebstahl gearbeitet, den wir noch veröffentlichen werden. Wichtig war es mir, dass meine Praktikanten bei der Arbeit die sie geleistet haben, auch immer mit genannt werden. Ich habe mich an meine Zeit zurückerinnert oder den Austausch mit anderen Studierenden, Referendar*innen, wo die Nennung bei Publikationen immer wieder ein streitiges Thema ist. Das wollte ich in meiner Tätigkeit ändern.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dieses Jahr war schon gut und es seien schon viele tolle Sachen passiert, bis ich eine Einladung der TCT-Conference erhielt, um in Südkorea einen Vortrag zu den Herausforderungen des 3D-Drucks im Recht zu halten. Ich war hin und weg! Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Flug wurde gebucht und dann ging es Mitte Oktober nach Changwon, Südkorea über Seoul. Ich hatte die Möglichkeit mit dem KTX – dem Schnellzug in Südkorea – vom Norden, ganz in den Süden zu fahren. Die TCT-Konferenz war erstklassig organisiert von dem Abholen von dem Bahnhof, bis hin zu dem Hotel und der Betreuung auf der Konferenz. Es gab sogar ein extra Speaker Zimmer. Diese Erfahrung war ein persönliches Highlight im Jahr 2019 – nicht nur des Vortrags wegen, sondern auch der Erfahrung wegen, eines der modernsten Länder bereisen zu können. Nachdem ich aus Südkorea zurück kam ging es gleich weiter nach Köln auf die DigitalX, eine Digitalmesse zu den aktuellen technischen Entwicklungen. Ich war inspiriert und begeistert, Tim Berners-Lee und den Gründer von Wikipedia Jimmy Wales sehen zu können. Diese Persönlichkeiten haben mich zu tiefst beeindruckt und inspiriert.
Beispielsweise die Forderung nach einer Charta des Internets, wie es Tim Berners-Lee fordert. Dafür gilt es zu kämpfen! Angeregt von diesem Event und Tim Berners-Lee, habe ich entschlossen, meine Dissertation Open Access zu veröffentlichen. Ich schäme mich dafür nicht und die Kritiker*innen einer Open Access Kultur im juristischen Bereich biete ich sehr gerne einen Austausch an. Denn wir brauchen mehr Open Access! Wissen kann sich dadurch nicht nur verbreiten, sondern auch verbessern, multiplizieren und es wird ein Austausch auf internationaler Ebene möglich! Gründe für Open Access habe ich hier in einem Beitrag zusammengefasst.

Im November ging es dann nochmal richtig los. Angefangen mit einer Stellungnahme im Bayerischen Landtag in München zu der Bedrohungslage von Kommunalpolitiker*innen, wo ich die mutige Oberbürgermeisterin Frau Kugelmann kennenlernen konnte. Sie berichtet in der Anhörung, was ihr persönlich wiederfahren ist und welche Forderungen sie für einen Kampf gegen Hasskriminalität stellt. Eine beeindruckende Frau, die sich nicht unterkriegen lässt! Weiter ging es dann im November mit einem Vortrag bei dem EAF Institut aus Berlin in Kooperation mit Oracle - einem Firmenpartnerworkshop über Künstliche Intelligenz und die Chance zur Gleichbehandlung. Ein wunderbarer Nachmittag auf dem ich viele interessante, starke und inspirierende Frauen kennenlernen durfte. Abschließend habe ich dann im November einen Gastvortrag bei der Fachhochschule Potsdam im Bereich Design gehalten mit der wirklich außerordentlich starken Unterstützung von Prof. Dr. Nico Heise, der das Seminar an der Fachhochschule Potsdam zum Bereich Recht leitet. Wir haben in Vorbereitung auf den Gastvortrag über den 3D-Druck, ein 3D-Druck Lab bei 3dK in Berlin besucht und eine technische Einführung zum 3D-Druck von Michael Jaennecke erhalten. Herzlichen Dank an dieser Stelle daher an Prof. Dr. Nico Heise und Michael Jaennecke von 3dk. Die Workshop-Reihe endet dann fast dort, wo sie angefangen hat nämlich Anfang Dezember in dem Wonder Women Co-Workingspace zum Influencer Marketing.

Allerdings war es noch nicht der krönende Abschluss dieses Jahres, denn dieser kommt erst noch auf dem Chaos Computer Club Kongress, wo ich diesmal für Open Legal Data einen Workshop zu „Hacking Legal Data“ halten darf. Bevor es auf Missverständnisse stößt – es geht um Open Data im juristischen Bereich. Also eigentlich wie immer. Aber das Thema kann nicht oft genug angesprochen werden.

Mein Fazit für dieses Jahr: Es war sehr ereignisreich. Der Beruf als Rechtsanwältin wird für mich mehr und mehr zur Berufung. Selbst wenn es mal stressig wird, ist es positiver Stress und ich freue mich, wenn die Vorträge etwas verändern, zum Nachdenken anregen und juristisches Wissen verbreitet werden kann. Für mich steht fest, dass die Themen des digitalen Wandels im Recht eines der wichtigsten Themen sind, sowie die Frage nach der digitalen Identität, Persönlichkeitsrechte und die Frauenrechte. Dafür werde ich mich – auch außerhalb meiner Anwaltstätigkeit – einsetzen. Des Weiteren werde ich mich weiter für mehr Frauen in der Anwaltschaft einsetzen, die ebenfalls auch auf den Podiumsdiskussionen vertreten sein müssen! In diesem Sinne möchte ich alle jungen Juristinnen motivieren, ihren Weg zu verfolgen, um das Feuer zu entfachen und für die Sachen an die man glaubt zu brennen!

Wie geht es weiter? In dem nächsten Jahr soll es wieder zahlreiche Vorträge und einen eignen Workshop geben. Meine Themen für das Jahr 2020: Digitale Identität, Transparenz: Zugang zum Recht und staatlichen Informationen, digitaler Wandel im Recht und Frauenpolitik. Wie das aussehen wird, daran arbeite ich derzeit und setze die konkreten Ziele für das Jahr 2020 – auch im Hinblick auf meine Tätigkeit als Rechtsanwältin. Dabei werte ich natürlich das alte Jahr aus, was ist gut gelaufen und was hätte besser laufen können. Möglicherweise habe ich bei diesem Jahresrückblick etwas vergessen oder jemanden vergessen – dann wird das an dieser Stelle nachgeholt!

Ich möchte außerdem die Gelegenheit nutzen, allen die ich dieses Jahr kennengelernt habe, die Unterstützerinnen, Kritikerinnen und Begleiter*innen waren, von ganzem Herzen danken und freue mich auf ein weiteres Jahr mit euch! Danke!

© Anwaltskanzlei Saskia Ostendorff